“Darf das Geschlecht der Künstler in der Rezeption und Beurteilung der Kunst eine Rolle spielen?” – Meine Frage zur Blogparade

October 29, 2012

Während eines Seminars an der Universität mit dem Titel  “Sozialpsychologie der Geschlechter” habe ich von einer erschreckenden, doch leider wenig verwundernden Studie erfahren:

Die Teilnehmer der Studie wurden in zwei Gruppen unterteilt. Beide sollten dieselben Kunstwerke begutachten und ihren qualitativen Wert schätzen. Der einen Gruppe wurde gesagt, der Urheber der Werke sei ein Mann, der anderen Gruppe sagte man, dass es sich um die Werke einer Künstlerin handle. Dieselben Werke wurden signifikant als qualitativ hochwertiger erachtet, wenn die Betrachter davon ausgingen, der Erschaffer sei männlich!

Da dies ein Thema ist, dass mich als Künstlerin natürlich betrifft, stelle ich im Rahmen unserer Blogparade folgende Frage:

“Darf das Geschlecht der Künstler in der Rezeption und Beurteilung der Kunst eine Rolle spielen?”

Ein paar Anregungen sind: Warum beschäftigen sich Frauen so häufig in ihrer Kunst mit der Rolle der Frau und der Rolle der Frau als Künstlerin – sollten sie nicht einfach “nur” Kunst erschaffen? Warum tun Männer das nicht oder äußerst selten? Warum muss ich bei der Bewerbung für einen Kunstpreis oder ein Stipendium angeben, ob ich ein Mann bin oder eine Frau? Sollte die Rezeption und Beurteilung von Kunst besser ohne Wissen um das Geschlecht erfolgen?

Um die Diskussion spannend zu gestalten, begebe ich mich auf einen provokanten Standpunkt und sage:  “Ja!”

Wenn beispielsweise alle Künstler und Künstlerinnen unter einem androgynen, geschlechtsneutralen Künstlernamen tätig wären, wäre doch nach dem oben gelernten eine  gerechte Beurteilung des Werkes an sich gegeben. Außerdem könnte sich jeder mit dem Thema “Mann, bzw. Rolle des Mannes” und jeder mit dem Thema “Frau, bzw. Rolle der Frau” auseinandersetzen, gleich ob er selbst männlich oder weiblich ist.

Kann ein Mann sich denn heute auch mit der Rolle der Frau in seiner Kunst beschäftigen? Ist er dabei glaubhaft? Was, wenn es sein inneres Interesse ist? Kann eine Frau sich ernsthaft mit der Rolle des Mannes beschäftigen? Weshalb sollte sie es nicht können?

Ich erinnere mich an eine interessante Begegnung mit einer jungen Frau in meinem Atelier. Sie sagte, sie würde ein immer wiederkehrendes Frauenbild in meinen Arbeiten sehen – Ich entgegenete, dies sei mein Protagonist und er ist ein junger Mann. Eigentlich tauchen in meiner Kunst kaum Frauen auf. Die junge Frau wirkte irritiert. Ist das denn tragisch? Ich denke nicht!

Aber ich bin gespannt was ihr denkt! Wie hier bereits angekündigt, werde ich Ende der Woche unter allen Teilnehmern der Diskussion ein Aquarell und ein Sternzeichenbuch verlosen. Das Werk trägt den bezeichnenden Titel:

o.t. (man, water)

For all english readers: You may translate this page (e.g. with Google translator) and participate at the discussion via commenting. At the end of this week one commentor will win the watercolour above and a second one a zodiac-art book.  But please notice, that for sending the image outside Germany, the winner will have to pay the shipping.

Ich stelle diese Frage als zweite, im Rahmen unserer diesjährigen Blogparade. Nach mir werden an noch 4 weiteren Montagen Fragen zur Kunst gestellt.

In Abstand von einer Woche werden wir folgenden sechs euch Fragen zur Kunst stellen und euch einladen, mit uns zu diskutieren:

Als Sponsor für unser Projekt konnten wir, wie ich schon erwähnte,  Karsten Peters, Galerist der Hamburger Galerie Faszination Art gewinnen.

Start der Blogparade Künstler /  ausgelobter Preis Ausgelobter Preis
22.10.2012 Susanne Haun„Azalee“17 x 22 cm, Zeichnung Tusche auf Bütten Azalee (c) Zeichnung von Susanne HaunAzalee (c) Zeichnung von Susanne Haun
29.10.2012 Ute Schätzmüller“man, water”18 x 24 cm, Aquarellzeichnung auf Clairefontaine Bütten man, water (c) Ute Schätzmüllerman, water (c) Ute Schätzmüller
04.11.2012 Jürgen Küstero.T.21 x 29,7 cm, Radierung/Gummidruck auf Bütten 160g o.T. (c) Jürgen Küstero.T. (c) Jürgen Küster
12.11.2012 Conny Niehoff„kleine expressive Landschaft“ca. 16 x 24 cm,  Mischtechnik auf Papier kleine expressive Landschaft (c) Conni Niehofkleine expressive Landschaft (c) Conni Niehof
19.11.2012 Oliver Kohls„Abendhimmel über Marschland”40 x 50cm, Pastell Abendhimmel über Marschland (c) Oliver KohlsAbendhimmel über Marschland (c) Oliver Kohls
26.11.2012 Frank KoebschFaszination Ballett # 1“10,5 x 15 cm, Miniatur in Aquarell Faszination Ballett # 1 (c) Miniatur in Aquarell von FRank KoebschFaszination Ballett # 1 (c) FRankKoebsch
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56 Responses to ““Darf das Geschlecht der Künstler in der Rezeption und Beurteilung der Kunst eine Rolle spielen?” – Meine Frage zur Blogparade”


  1. [...] das Geschlecht der Künstler in der Rezeption und Beurteilung der Kunst eine Rolle spielen? fragt Ute Schätzmüller heute in der zweiten Woche unserer [...]


  2. Eine wunderbare Fragestellung. Und ich habe viele viele Ideen dazu, die ich dann demnächst bei mir auf dem Blog veröffentlichen werde.


  3. [...] “Darf das Geschlecht der Künstler in der Rezeption und Beurteilung der Kunst eine Rolle spielen?” fragt Ute Schätzmüller heute in ihrer Blogparade, und bringt mich damit auf ein Thema zurück, dass sie selbst für mich angestossen hat. Im Rahmen meiner Beiträge zu Künstlerinnen im Surrealismus hatte ich unbedacht und relativ unwissend von weiblichen und männlichen Blicken und Herangehensweisen gesprochen und Ute machte mich auf das Genderkonzept aufmerksam, von dem ich naturgemäß auch schon gehört, mit dem ich mich aber zugegebener weise nie näher beschäftigt hatte. Das wollte ich ändern. Und das habe ich geändert, indem ich zum Beispiel nicht nur weiter über Frauen im Surrealismus las, sondern auch ein aktuelles Buch einer Neurowissenschaftlerin über Die Geschlechterlüge. Und hier schliesst sich der Kreis, weil Cordelia Fine, die Autorin besagten Buches, über viele Seiten und Beispiele lang das bestätigt, was Ute mit dem Versuch der Beurteilung von Kunst, abhängig von Wissen oder Unwissen um das Geschlecht des Künstlers zitiert. Unsere Gender Stereotype sind derart internalisiert, dass wir uns ihrer häufig gar nicht bewussst sind, sie aber durch eine so einfache Sache wie das Ankreuzen des Geschlechts auf einem Fragebogen hoch wirksam aktivieren;  Frauen schneiden zum Beispiel bei mathematischen Fragen schlechter ab, wenn sie ihr Geschlecht ankreuzen mussten und Männer haben ihre Minderwertigkeit im sprachlichern Bereich dermaßen internalisiert, dass sie in diesem Bereich schlechter abschneiden, wenn sie vorher durch das Kreuzchen daran erinnert wurden, welche Rolle, sprich welche Fähigkeiten und Erwartungen ihnen durch ihr Geschlecht zugeordnet ist. [...]

  4. halbwach Says:

    wurden nur männer befragt? haben auch frauen frauen schlechter bewertet?


    • Ich habe die Studie leider jetzt nicht parat, aber ich binmir recht sicher, dass beide befragt wurden, ja, auch Frauen bewerten Frauen üblicherweise schlechter.

      Lg Ute

      • halbwach Says:

        danke.

        “üblicherweise” ist ab jetzt “übelicherweise”.

        beim aquarell sehe ich eher eine weibliche figur. aber auf jeden fall von einer frau gemalt.

        lg
        a.


      • Ich sehe eine menschliche Figur mit leichten femininen aber auch leichten maskulinen Zügen. Letztlich darf aber jeder Betrachter meine Bilder so sehen, wie er oder sie es möchte :)

        Warum ist das Bild “auf jeden Fall von einer Frau gemalt”? Wenn mein Mann seine Klausuren korrigiert, liest er immer erst nach der Korrektur den Namen. Meist lässt sich von der Schrift auf das Geschlecht schließen, aber manchmal ist es auch anders als er denkt – Ich glaube in der Kunst ist es auch.

        Beste Grüße Ute

      • halbwach Says:

        schlecht formuliert. die person auf dem bild sehe ich eher feminin als maskulin. die person hinter dem bild feminin.

        nicht wertend. mir nicht wichtig. vielen anderen leider schon. aber gerade handschrift und die kunst der person lassen noch recht gut auf das geschlecht schliessen. sollte das jemand wollen oder interessieren …

        wenn ich jetzt ein bild/ einen link für meinen blog finde, interessiert mich natürlich die person hinter dem bild, aber ob das eine oder das andere, beides oder keines oder oder … ist nicht wichtig.

        lg
        a.


      • Das stimmt natürlich. Es sollte egal sein, ob die Person hinter dem Bild oder der Schrift Mann, Frau, keines oder beides ist. Die meisten Frauen agieren/schreiben/schaffen mit eher femininen Zügen und die meisten Männer mit eher maskulinen, aber es gibt eben auch das Gegenteil und viele Mischformen.

        Interessant ist, dass die intrageschlechtlichen Unterschiede, d.h. die Unterschiede innerhalb der Gruppe Frauen oder Männer, wesentlich größer sind, als die intergeschlechtlichen Unterschieder zwischen dem durchschnittlichen Mann und der durchschnittlichen Frau. Ich denke es ist gut, dass wir heute immer mehr dazu übergehen (leider noch lange nicht an diesem Punkt angelangt sind), dass jeder und jeder und jedes einfach er/sie/es selbst sein kann.

        Eigentlich sind wir doch eine Mischung aus femininen und maskulienen Aspekten, nur eben jeder in einem anderen “Mischungsverhältnis”.

        Mich interessiert auch die Sicht der Betrachter auf meine Malerei. Sehen Sie sie Person hinter diesen Bildern auch feminin?
        http://uteschaetzmueller.wordpress.com/category/malerei/

        Beste Grüße Ute

  5. klaus Says:

    Ganz kurze und klare Antwort: Nein!
    Es stimmt zwar, dass es eine bestimmte Sorte, bevorzugt von Künstlerinnen verfertigter Kunst gibt, mit der ich herzlich wenig anfangen kann, bei der Beurteilung finde ich ein Wissen darum, ob es sich nun um Männlein-Autorenschaft oder Weiblein-Autorenschaft handelt allerdings recht belanglos. Wie bei der Musik: Es gibt nur gute oder weniger gute. So auch in der Kunst. Und Rosemarie Trockel finde ich eine gute Künstlerin, ob sie nun “weibliche” Dinge thematisisiert wie in ihren früheren Arbeiten oder weniger, auch Sivia Bächli mag ich sehr, auch Miriam Cahn, die ja explizit sich am Weiblichen abarbeitet, was mir aber schlussendlich egal ist, weil die Kunst, auch wenn sie so eng daran ansetzt, doch als solche um grundlegende Fragen kreist und deswegen für mich interessant ist. Bei Louise Bourgeios beaobachte ich, dass ihre Arbeit von vielen Bildhauerinnen goutiert, die ich kenne, mir selbst bleibt das überwiegend fremd. Aber das wäre es auch sicherlich, wenn es nun von einem Mann gemacht wäre… Iinteressant finde ich aber immer wieder, wenn man unbefangen und unwissend auf einem fremde Arbeiten zugeht und denkt, das habe jetzt bestimmt eine Frau/ein Mann gemacht und das sich dann als falsch herausstellt. Dann merkt man dann doch, das man in der Kunst mit diesen Kriterien oft nicht weiterkommt.
    Was Bewerbungen um Ausstellungen und Preise etc. angeht: Generell finde ich, dass solche überhaupt ohne irgendwelche persönliche Angaben stattfinden sollten (bei Bewerbungen um Arbeitsplätze ging das ja vor einiger Zeit durch die Presse, zu welch unterschiedlichen Beurteilungen man da kommen kann!). Was Kunstpreise angeht: Gehören, egal ob Männlein oder Weiblein generell abgeschafft. Aber das wäre ein anderes Thema.
    PS: Deine Aquarelle gefallen mir übrigens ziemlich gut!


    • Hallo Klaus,
      vielen Dank für deine kurze und doch so ausführliche Antwort! Ich mag es auch, Kunst zu finden, die unsere internalisierten Rollenbilder umwirft, indem sie sich einer exakten Geschlechtszuweisung verweigert oder eine andere suggeriert.

      Beste Grüße Ute

  6. klaus Says:

    …hab’ grade auch Susannes Beitrag gelesen: Ja klar: Cindy Sherman!


  7. [...] 2. Woche der Blogparade – Ute Schätzmüller [...]

  8. Suzi Kunst Says:

    Kann man nur mit JA antworten Oder. Das Gehirn von Männer und Frauen funktioneren unterschiedlich.lg,Suzi


  9. Hallo,
    ich mache mich dann jetzt mal wieder unbeliebt, denn zu der Grundfrage wegen des Geschlechtes habe ich eine ganz klare (provokante !) Meinung und auch entsprechende Erfahrungen…

    NEIN, das Geschlecht darf KEINE Rolle spielen in der Bewertung / Rezeption der Kunst.

    Diese Frage sollte eigentlich gar keine sein, denn Kunst hat kein Geschlecht – Kunst funktionirt oder sie funktioniert nicht, aber vom Geschlecht darf man gute Kunst in gar keinem Fall abhängig machen !

    Im Gegenteil sollte man Frauen sogar ganz gezielt endlich mal mehr unterstützen, da sie sich stets ganz ALLEINE nach oben kämpfen müssen !!!

    Wir Frauen werden doch von niemandem wirklich unterstützt, sondern oft sogar ganz gezielt von anderen Künstlern/Innen, die selbst künstlerisch tätig sind, übelst runtergemacht bzw. in unserem Fortkommen sogar von ihnen ganz gezielt behindert.

    Ausnahmen gibt es zwar auch dadrunter mal vereinzelt, doch die sind wirklich sehr selten.
    Meist wurde ich als Frau nämlich nur belächelt, zumal ich ja auch “nur” Autodidaktin bin und Kunst nicht studiert habe.

    Obendrauf wird mir auch ständig extremst von allen Seiten meine “berühmte” Bemalung an der Berliner Mauer (East Side Gallery) missgönnt und oft sogar die Berechtigung dazu abgesprochen…

    Aber jedem daran tätig gewordenen Mann sind dagegen immer nur viele Komplimente, Austellungen und Bevorzugungen zuteil geworden – mir als Frau jedoch nie !!!

    Ich bekam nämlich auch von den Leuten der ESG stets nur spärlichste Bröckchen zugeworfen, die mich nie wirklich weitergebracht haben, da sie nicht wirklich daran interessiert waren, mich zu fördern und in meinem Schaffen vorwärts zu bringen, sondern ich wie immer überall, nur belächelnd als kleine “Mitläuferin” wahrgenommen wurde.

    Ich kämpfe mich seit Jahrzehnten ganz ALLEIN durch und wenn ich es bis nach oben schaffen sollte, dann ist das nur ganz allein MEIN Verdienst, da mich niemand je wirklich unterstützt und gefördert hat.

    Denn auch als Kind wurde mir dauernd nur gesagt, dass das künstlerische gar nichts wert ist… ich sollte etwas “anständiges” machen, was für diese Gesellschaft als wertvoll erachtet wird…

    In diesem Sinne wünsche ich mir viel mehr Unterstützung und FÖRDERUNG ganz gezielt nur für Frauen!

    Denn Männer haben da eh nie Probleme – die werden doch von allen Seiten eh ständig total angehimmelt und mindestens moralisch dauernd von tausend Frauen unterstützt, doch wir Frauen stehen stets alleine da und müssen unmenschliches leisten, um nach oben zu kommen :(

    Glaubt mal nicht, dass es Männer gibt, die künstlerisch tätige Frauen anhimmeln und moralisch gern unterstützen *rofl*.

    Wir werden im Gegenteil noch dauernd degradiert und runtergeputzt von den Männern, damit wir schön unten bleiben, wo wir ihrer Meinung nach doch noch immer angeblich hingehören :(
    So habe ich das jedenfalls leider meistens kennengelernt.

    Ich bin jedenfalls dauernd nur alleine am kämpfen, niemand himmelt mich an, nur selten und vereinzelt gibt es mal eine nette Frau (und vereinzelt jüngere Mädels die meine kleinen Fans sind), die mich unterstützen und moralisch wieder aufbauen.

    Ihr merkt ich bin emotional sehr angekratzt bei diesem Thema.
    Denn ich finde, dass es den Männern eh stets überall viel zu leicht gemacht wird, dahinzukommen wo sie hin wollen.

    Und ich hab nichtmal Kinder – ich mag mir gar nicht ausmalen, wie hart diejenigen Frauen unter uns kämpfen müssen, die obendrauf auch noch Kinder und ihren eh stets wehleidigen Mann zu betütteln haben. (Männer müssen ja stets betüttelt werden, damit sie nicht zusammenbrechen und das erfordert auch noch extrem viel Kraft von uns Frauen, aber ich will das hier nicht zu einem Mann/Frau Thread werden lassen *rofl*).

    Ich bitte um Entschuldigung, dass mein Text hier so lang geworden ist und nein, ich möchte hier NICHT rumjammern, sondern nur mal jedem die Augen öffnen, was uns Frauen dauernd so alles zugemutet wird.
    Am liebsten sind mir nämlich die Männer, die sich stets damit rühmen, alles “allein” geschafft zu haben *rofl* – sie sind ja sogar blind dafür, dass sie meist NUR durch die beständige Unterstützung von hunderten sie anhimmelnden Frauen, überhaupt da sind, wo sie sind – ohne diese moralische und seelische Unterstützung von diversen Frauen, wäre doch fast KEIN Mann je berühmt geworden !

    Guckt dazu bitte einfach in die Geschichte und realisiert, das hinter Männern wie Dali IMMER mindestens eine extrem aufopferungsvolle Frau gestanden hat.

    Der Typ wäre doch psychisch komplett zusammengebrochen, so kaputt war der im Kopf – allein hätte der das alles doch nie auf die Reihe bekommen SO berühmt zu werden !

    Ich hoffe, ihr hasst mich nicht wieder für diese direkten und klaren Worte, doch DAS ist die Realität.

    Denn ich fühle mich als Frau stets meistens eh nur von allen Seiten behindert und deshalb empfinde ich die Frage ob man Kunst auch noch Geschlechterspezifisch beurteilen sollte, als eine erneute Denunzierung der Frauen…
    Denn die Kunst von Frauen kann sich doch eindeutig mit der der Männer messen – zumal IMHO wie gesagt so gut wie fast KEIN Werk eines Mannes jemals ohne die Unterstützung diverser ihn liebender + anhimmelnder Frauen hervorgebracht wurde…

    Viele herzliche Grüße in die Blogrunde und bitte bitte, jetzt nicht schon wieder auf mir rumhacken wegen meiner krassen Aussagen,
    vlG
    Yvonne


    • Liebe Yvonne,

      danke für deine ausführliche Stellungnahme. Es tut mir leid, dass ich sie nicht freigeschaltet habe, sie war im Spamordner und ich habe sie nicht bemerkt.

      Auch sehe ich gar keinen Grund, auf dir “rumzuhacken”, denn erstens soll das hier eine faire Diskussion sein und zweitens bin ich ja auch der Meinung, dass das Geschlecht für die Beurteilung von Kunst (und eigentlich von allem!) KEINE Rolle spielen darf!
      Mir ist gerade aufgefallen, dass sich mein “Ja!” im Artikel oben auch auf die Ausgangsfrage beziehen könnte, dass soll sie aber nicht – Es ist die Antwort auf die Frage davor: “Sollte die Beurteilung/Betrachtung von Kunst ohne das Wissen um das Geschlecht des Künstlers geschehen?” – “Ja!”

      Dir wünsche ich noch ganz viel Erfolg, ich kann mich gut in deine Situation hineinversetzen, da ich auch alles bisher (fast) allein erkämpft habe. Zum Glück habe ich einen Mann an meiner Seite, der mich aufopfernd unterstützt und mit dem ich mir die Kindererzeihung und den Haushalt (!) teile. Glücklicherweise gibt es solche Männer nämlich auch. :)

      Wichtig ist, dass unsere Kinder immer mehr lernen, dass es nur wichtig ist, man selbst zu sein, egal ob Mann, Frau, Beides oder Keines ;)

      Beste Grüße Ute

  10. scarlett Says:

    Weil es etwas lang geworden ist, hier nur der Anfang mit Linkverweis. Auf jeden Fall finde ich die Frage auch in Bezug auf die Literatur (und die anderen Künste) sehr spannend!

    «Kennen Sie die ‘Bergewerke zu Falun’? Kennen Sie den ‘Sandmann’? Kennen Sie die Schar romantischer Jünglinge, die auszog, ihre romantische Bestimmung zu finden, währenddessen die Frauen entweder am Bestimmungs- oder Ursprungsort ausharrten? Ist all dies Ausdruck einer stereotypen Geschlechterzuweisung? Ich sage: ja. [...]»
    http://www.lesesaal.ch/2012/10/30/literaturrezeption-als-genderfrage/

  11. Sherry Says:

    Liebe Ute,

    die Effekte sind in Studien, in denen Probanden über die Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit unter der Bedingung “von einer Frau” vs. “von einem Mann”, befragt werden, noch viel größer (also schlechter) als bzgl. der Bewertung von Kunstwerken. Das Tragische ist, dass auch Frauen die Arbeiten einer Frau schlechter bewerten als die eines Mannes. Und genau deshalb verstehe ich, bzw. empfinde ich es als natürliche Konsequenz, dass Frauen sich mit ihrer Stellung viel mehr befassen müssen als Männer. Denn ihr Standbein ist wackelig, sie leben unsicherer und abhängiger. Wenn nicht direkt hier, so dann doch in ihrem unbewussten Gedächtnis über all die Epochen davor. Und vor allem heute … Frauen müssen sich mehr dennje für oder gegen ihre traditionelle Rolle entscheiden, weil sie berufstätig sind und Kinder wollen. Und trotz ihrer enormen Doppelleistungsfähigkeit werden sie in der Berufswelt immer noch weniger respektiert. Ein schwieriges Thema.


    • Liebe Sherry,

      da kann ich eigentlich nicht dazufügen. Du hast sehr recht, es ist traurig, wie unsere internalisierten Geschlechtsstereotypen unser Denken und Handeln beinflussen, das Arbeit, sei es Kunst oder Literatur oder Wissenschaft weniger wertgeschätzt wird, wenn eine Frau dahinter steht. Und das die enorme Doppelbelastung nicht nur so wenig gewürdigt sondern oft sogar nachteiligt ausgelegt wird.

      Beste Grüße Ute

  12. Oliver Kohls Says:

    Hallo Ute,
    auch die Leistung der Männer, die sich der Doppelbelastung stellen, wird nur wenig gewürdigt. Ich habe vier Kinder, war zweimal in der Elternzeit und meine Frau und ich arbeiten gerade beide in Teilzeit, um diese Großfamilie zu versorgen. Die Ursache für die Benachteiligung ist neben dem überholten Rollenbild aber in erster Linie die falsche Wertigkeit von Familie gegenüber dem Beruf.
    Doch hier mein Beitrag:
    “Diese Frage stellt Ute Schätzmüller in ihrem Blog. Eine interessante Frage und eine interessante Diskussion. Aus meiner Sicht kann man sie nur mit einem kategorischen Nein beantworten. Es sei denn die Künstlerin oder der Künstler beschäftigt sich mit dem Thema Gender. Dann kann es inhaltlich eine Rolle spielen.
    Allerdings ist auch die “Kunstwelt” nicht gerechter oder vorurteilsfreier als andere Welten. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft und damit auch in der Kunst in den nächsten Jahren positiv verändern wird. Bei den Schulabsolventen haben Frauen durchschnittlich die besseren Abschlüsse und weisen auch die besseren Ausbildungen oder Studienabschlüsse vor. Wenn sich jetzt noch das Familienleben einfacher und besser mit dem Beruf verbinden ließe und die Tendenz sich verstärkt, dass immer mehr Männer hier Verantwortung übernehmen, dann stellt sich die Frage zukünftig hoffentlich nicht mehr.”
    Grüße,
    Oli


    • Lieber Oliver,

      du hast natürlich absolut recht! Wir haben auch zwei Kinder, mein Mann ist gerade im Referendariat und ich eben selbstständig, und dennoch versuchen wir uns zu gleichen Teilen unm Kinder und Haushalt zu kümmern. Und wenn mein Mann dann in der Schule eben nicht zu jeder Tag und Nacht Zeit parat stehen und zig Sonderaufgaben übernehmen kann, da ich auch ab und an Termine habe und er die Kinder betreuen muss, dann wird das eben nicht positiv, als moderner, sich um die Familie (die Zunkunft!) bemühter Vater gesehen, sondern als Unflexibel.

      Ich habe vor einiger Zeit ein Plakat gesehen, von dem ich anfangs dachte, es sei eine Parodie, doch endlich feststellen musste, dass es ernst gemeint war. Es war eine Art Werbung für/mit dem Kindergeld und da stand: “154€ Fürs da sein. Für die Verantwortung. Für die Zukunft von uns allen.”

      Ich denke da sieht man, was vielen die Zukunft von uns allen Wert ist…

      Beste Grüße Ute


    • Lieber Oliver,

      (den zweiten Teil habe ich jetzt erst gelesen…)
      nur mit den besseren Abschlüssen der Frauen ist es leider nicht getan, denn, dass bei Männern ein guter Schulabschluss auf eine gute Karriere schließen lässt und bei Frauen (statistisch geshen) das Gegenteil der Fall ist (gerade begabte Mädchen/Frauen bleiben oft weit hinter ihren Möglichkeiten zurück), liebt auch an dem, in der Kindheit verinnerlichten Rollenbild (Bei Susanne habe ich die “Theorie der gelernten Hilflosigkeit” etwas ausführlicher beschrieben) – wichtig ist daher, schon im Vorschulalter den Kindern flexible Rollenmodelle zur verfügung zu stellen, damit nicht hier gelernete Vorurteile den eigenen Erfolg im Wege stehen. Bei Betrachtung der Spielzeuge, Kindersendungen und Bilderbücher, zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Hier werden die Rollen vorgeschrieben und gelernt, die später so schwer zu überkommen sind. Glücklicherweise aber gibt es immer mehr Frauen und Männer, die die alten Rollen hinter sich lassen und Vorbilder für die jetzt lernende Generation sind!

      Beste Grüße Ute

  13. Gabi Stark Says:

    Als Antwort auf Utes Frage ein klares möglichweise. Wenn ich sage, der Unterschied in der Beurteilung von Kunst ist unabhängig vom Geschlecht, ist sie dann nicht überhaupt unabhängig von der Person des Künstlers? Was ist wenn das Kunstwerk von einem Mörder geschaffen wurde? Wenn man hier jetzt sagt, diese Eigenschaft ist zu berücksichtigen, warum dann aber die Eigenschaft „Geschlecht“ nicht?
    Ihr seht, Antwort habe ich keine, nur mehr Fragen. Lg Gabi


    • Liebe Gabi,

      danke für deinen Beitrag zur Diskussion! Ich finde es gut, wenn sich durch die Auseinandersetzung mit einem Sachverhalt weitere Fragen ergeben, dass ist ein gutes Zeichen, dass man nicht alles hin nimmt wie es ist, sondern sich und die Welt um einen herum reflektiert.

      Ich denke, dass ein Mörder definitiv für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werden muss, aber ist sein Kunstwerk, wenn es nicht direkt mit der Tat in verbindung steht, danach bewertbar? Ist Kunst nicht, nachdem sie geschaffen wurde vom Erschaffer unabhängig zu betrachten, durch ihn/sie geprägt aber dennoch ein eigenes Ding.

      Beste Grüße Ute


  14. [...] Unter allen bis Samstag Mitternacht abgegebenen Komentaren und Links werde ich am Sonntag ein Aquarell und ein Sternzeichenbuch verlosen. Hier könnt ihr die Preise sehen und euch an der Diskussion beteiligen! [...]

  15. derdilettant Says:

    Für mich spielt bei der Beurteilung von Kunst selbstverständlich überhaupt keine Rolle, ob sie von einem Mann oder einer Frau geschaffen wurde. Die Studie zeigt aber, dass Kunst, und mehr noch wahrscheinlich der Kunstbetrieb, den gleichen geschlechterspezifischen Machtverhältnissen unterliegt wie andere Bereiche unseres täglichen Lebens. Auch nach – und trotz – über hundert Jahren Frauenbewegung dominieren Männer nach wie vor den Zugang zur Macht und zum Markt. Das ist angesichts Jahrhunderte – wenn nicht: Jahrtausende – währenden Patriarchats zwar bedauerlich, aber nicht wirklich verwunderlich. Gilt es also, Qualität zu beurteilen, so steckt nach wie vor in vielen Köpfen (übrigens auch Frauenköpfen) die Vorstellung, der Mann sei der wahre Profi und verbürge eher Qualität als eine Frau. Man denke nur daran, dass es gerade mal gut hundert Jahre her ist, dass Frauen Zugang zur akademischen Kunstausbildung gewährt wurde. Und noch heute dürften die entscheidenden Positionen im Kunstbetrieb überwiegend von Männern besetzt sein: Museumsdirektoren, Kuratoren, Kunstkritiker, Hochschulprofessoren, Sammler, Mäzene, Galeriebetreiber etc. Auf einem anderen Blatt steht, dass Künstler/Künstlerinnen häufig in ihrer Kunst gesellschaftliche Zustände reflektieren, und hier fließen sicher spezifisch weibliche oder eben männliche Erfahrungen ein. Da ist es durchaus interessant zu wissen, welches Geschlecht hinter dem Bild steht!


    • Danke für dies ausführliche Stellungnahme!
      Das stimmt, es ist mitunter durchaus interessant, wer hinter dem Bild steht, nur wenn/da die Wertung durch diese Kenntnis beinflusst wird, ist das problematisch. Wichtig ist es also, sich erst ein Urteil zu bilden und danach evtl. den Hintergrund des Künstlers/der Künstlerin zu erfahren.
      Wirklich tragisch ist auch, dass ein Beruf, sobald ihn zu viele Frauen ausführen gesellschaftlich enorm an Ansehen verliert. (Bspw. der Sekretär). Wenn also immer mehr Frauen (nachdem sie an den Kunstakademien schon zahlenmäßig überlegen sind) in Posten wie Galeristen, Kuratoren, Sammler usw. gelangen leidet das gesellschftliche Ansehen dieser Positionen (weshalb diese Männer das nicht zulassen wollen/”dürfen”). Das meines Erachtens eine Schande.

      Beste Grüße Ute


  16. Was “sollte” und was “darf” Kunst eigentlich überhaupt? Kunst möchte reflektieren, kritisieren, die Gesellschaft weiterbewegen..Jeder einzelne Künstler hat seine ganz individuellen Vorstellungen.Kunst hatte und hat immer mal je nach Epoche unterschiedliche, aber immer sehr hohe Ansprüche an sich selbst und es werden hohe Ansprüche an sie gestellt. Im Nachhinein wird erst durch die Rückschau jedes Mal sichtbar, dass Kunst stets eine Reflektion der Zeit ist, während KUnst doch eigentlich der Zeit am liebsten stets voraus sein möchte,Richtfunktion haben möchte und Visionen aufzeigen möchte. Dabei geht es auch immer um Macht und gesellschaftspolitische Stellungen. Untrennbar davon das Geschlecht. So war es und so wird es wohl noch bleiben. Kunst hat gerade heute einen enorm hohen Anspruch, über sich selbst zu reflektieren. Dabei kann sie aber einfach nicht aus sich selbst heraustreten und sich von außen betrachten. Wir alle haben das Bedürfnis zu werten, zu messen, zu sortieren. Wir meinen, nur so “verstehen” zu können. Auch aus unserer Geschlechterrolle können wir nur schwer hinaus treten. Es ist gut, sich das bewusst zu machen. Es ist gut, sich um mehr Gleichberechtigung zu bemühen. Dazu gehört es auch, das Geschlechterthema in der Kunst zu thematisieren. Je nach persönlichem Bedürfnis. Wir können uns alle nur stets im Einzelnen bemühen, bei uns selbst zu bleiben, authentisch zu bleiben, uns selbst zu hinterfragen. Kunst ist wie das Leben. Sie hilft uns auch dabei, uns selbst zu finden und unsere Rolle in der Gesellschaft immer wieder zu hinterfragen. Ein “Ja” oder “Nein” zu Deiner Frage, Ute, kann ich nicht geben.


    • Liebe Magdalena,

      danke für die ausführliche Schilderung deiner Sicht der Dinge! Ich glaube du hast recht, die Kunst an sich “darf” und “sollte” nichts, da sie an sich nur den Anspruch erhebt “Kunst” zu sein. Und sicherlich können wir uns auch nie unsere internalisierter Stereotypen und Denkmuster völlig frei machen.
      Aber, um ein ganz konkretes Beispiel zu nennen: Wenn ich einen Preis zur förderung junger Künstler/innen ausschreibe. Darf ich dann (unter dem Wissen um die schlechtere qualitive Einschätzung von “weiblicher” Kunst durch die Juroren) eine Angabe des Geschlechts fordern? Wozu ist das nötig? Um der Bevorzugung des einen Geschlechts entgegenzuwirken oder um eine zu häufige Auszeichnung des andern zu verhindern?
      Wahrscheinlich wissen die meisten Juroren und Kuratoren und andere gar nicht, dass die Kenntnis des Geschlechts eines Bewerbers ihr Urteil beinflusst (und würden es auch nicht glauben wollen), aber ich glaube, dass Kenntnisse über diese Abläufe ein erster Schritt zur Änderung ist.

      Außerdem habe ich natürlich auch ein Thema gesucht über das sich gut diskutieren lässt ;)

      Beste Grüße Ute


      • Es ist Dir auch sehr gut gelungen, uns mit einem spannenden Thema zu überraschen. :)
        Ich kann mir den Bewerbungsvorgang ohne Angabe des Geschlechtes nicht so richtig vorstellen. Setzt nicht die Teilnahme bzw. die Zulassung zu einigen Ausschreibungen nicht sowieso schon einen gewissen Erfolg voraus? Mussten da nicht schon andere Hürden genommen werden? Wie “objektiv” waren diese? Was spielt da noch so alles eine Rolle außer unseres Geschlechts? Ich kann keine Antwort geben, bei mir tun sich durch Deine interessante Frage einfach auch noch weitere auf ;-)
        Liebe Grüße
        Magdalena


      • Liebe Magdalena,

        natürlich ist bei einer namentlichen Bewerbung das Geschlecht schon implizit enthalten. Bei manchen Bewerbungen muss man es explizit ankreuzen, dass finde ich zweifelhaft. Es gibt auch einige wenige Ausschreibungen, die nur nach den Bildern gehen und keine Vita o.Ä. verlangen, aber die sind selten und auch nicht so hoch angesehen.
        Im Prinzip ist meine Frage ja auch die Frage nach einer Utopie, denn erstens sind diese implizite Geschlechtsstereotypen in unserer Gesellschaft omnipräsent und zweitens dienen Kunstpreise und Stipendien ja nicht wirklich der Förderung der Förderungswürdigsten sondern sind eben Mittel zur etablierung einer Elite…

        Lg Ute

  17. Helen Says:

    Hallo Ute,

    ich komme direkt zu Deiner Frage. Solange es keine echte Gleichberechtigung=Gleichwertigkeit von Frauen in dieser Gesellschaft gibt (…und das war und ist ein langer Weg…..) sollte jede Bewertung von Kunst, was z. B. Kunstpreise anbelangt, meiner Meinung nach geschlechtsneutral begutachtet werden. Kunstpreise steigern das Ansehen und den Bekanntheitsgrad eines Künstlers, und damit den Geldwert der Kunst . Dadurch erhielten mehr Frauen die Chance in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden, und die Vorurteile hätten eine geringere Kraft bei den Beurteilenden. Immer noch finden wesentlich mehr Männer Aufmerksamkeit in der Presse, bei Galeristen, Preisverleihungen und erhalten mehr Unterstützung, obwohl der Anteil der künstlerisch tätigen Frauen, mit gleichwertiger künstlerischer Qualität, stark angestiegen ist. Jahrtausende alte Sozialisierungen und Strukturen brauchen diese Neutralität um ihre Macht langsam zu verlieren. Ansonsten spielt es natürlich eine Rolle ob ein Künstler weiblich oder männlich ist. Kunst lebt von der Authentizität eines Künstlers und die beinhaltet das ganze Sein. Als ich meinen Blog ins Leben gerufen habe, habe ich tatsächlich kurz überlegt, ob ich mein Geschlecht verheimlichen soll. Das habe ich aber sehr schnell verworfen. Ich hätte ja dann nicht wirklich echt sein können, der Preis wäre zu hoch gewesen. Für einen Mann wäre es glaube ich fast undenkbar sich so eine Frage überhaupt zu stellen.
    Danke, dass Du obige Frage stellst, dieses Thema fällt doch allzu gerne unter den Tisch….
    Ich wünsche Dir noch eine erfogreiche Bloparade.
    Viele Grüsse
    Helen; Fan Deiner Arbeiten


    • Liebe Helen,

      vielen Dank für deine Ausführliche Stellungnahme! Es ist schon faszinierend, wie unterschiedlich die Meinungen zu diesem Thema ausfallen. Ich bin sicherlich keine Feministin, im Leben nicht. Ich hoffe einfach, durch diese Frage die Selbstreflexion der Leser anzuregen, so dass auch jene mit der felsenfesten Überzeugung, dass sie nie so handeln würden oder behandelt würden im Stillen darüber nachdenken, ob und was sie selbst vielleicht do ändern könnten…

      Beste Grüße Ute


  18. Ich finde, das hast Du alles sehr prägnant zusammengefasst. Und auch Utes Einschätzung zur Förderung einer Elite finde ich prägnant. Also arbeiten wir alle fleißig weiter an unseren Utopien ;-) Die Diskussion finde ich klasse! Das sind alles sehr spannende und anregende Beiträge. Macht Spaß, das hier zu verfolgen :)

  19. mandoisland Says:

    Habe leider keine Zeit für einen ausführlichen Kommentar, ich bin aber grundsätzlich der Meinung dass das Geschlecht eines Künstlers keinen Einfluss auf die Beurteilung der Kunst spielen darf.
    Danke an alle für die interessanten Beiträge zum Thema, ich bin gespannt was nächste Woche auf uns wartet im Rahmen der Blogparade.


    • Vielen Dank, dass du dich dennoch kurz zu Wort gemeldet hast! Ich glaube, das verzwickteste an dieser Frage ist, dass die meisten Menschen sie grundsätzlich verneinen würden aber unbewusst doch durch internalisierte Geschlechtsstereotypen geleitet werden ohne es zu merken. Das liegt daran, dass unser Denken auf Vormeinungen bzw. Vor-Urteilen basiert, denn um alles und jeden immer neu und unbefangen zu erfahren reichen weder unsere Gedankenkapazitäten, noch unsere Zeit.
      Bei genauer Selbstreflexion fällt einem dann auf, das man selbst auch ab und an nach geschlechtsstereotypen Verhaltensmustern lebt und urteilt…
      Gut ist dann zu wissen, dass Selbsterkenntnis der erste Weg zur Besserung ist und somit nur die Thematisierung von “Gender” die Gesellschaft und und selbst in dieser Hinsicht ändern kann.

      Viele Grüße
      Ute Schätzmüller


  20. Im Sinne der Kunst, der Werke und der Freiheit, darf man sich auf diese Frage gar nicht erst einlassen. Das “dürfen” markiert den Punkt, an dem der aufklärerische Geist des Geschlechterdiskurses in den totalitären kippt.


    • Hallo metepsilonema,

      danke für deinen Beitrag. Im Sinne der Kunst hast du sicherlich recht, im Sinne der Bewertung der Kunst wäre vielleicht ein “sollte” besser gewesen – Für eine interessante Diskussion ist sicherlich ein “darf” das Spannendste.

      Beste Grüße Ute

  21. THein Says:

    Interessanter Gedanke. Eine ähnliche Frage stellte sich mir, als ich zur Ausstellung “Gustave Caillebotte” in der Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main beim Einlesen im Internet schnell auf mehrere Seiten stieß, die mutmaßten, ob seine sexuellen Neigungen eher Männern galten. Aus seiner Biografie ergibt sich wohl kein Anhaltspunkt. Ich habe mir dann einige Abbildungen seiner Werke angeschaut und dachte mir, wie irrelevant ist das eigentlich… Aber wahrscheinlich: Wenn man erst einmal auf der Suche ist, findet man “nackte männliche Oberkörper” hier, einen “frottierenden Mann” dort – und der gefilterte Befund bestätigt die gefasste Meinung.


    • Hallo THein,

      danke für diesen weitergehenden Gedanken! “wie irrelevant ist das eigentlich…” trift es meiner Meinung nach sehr gut. Jeder Mensch sollte ästhetisch und schön finden, was er möchte und selbst wenn andere die eigene sexuelle Ausrichtung, das Geschlecht, die Hautfarbe, das Alter oder was auch immer kennen – sollte es diesem Menschen einfach zugestanden werden so zu sein, wie er ist – und der Kunst auch.

      Beste Grüße Ute

  22. frank8233 Says:

    Hallo Ute,
    da hast Du ja ein vielschichtiges Thema herausgesucht und eine schöne Diskussion losgetreten.
    Meine These; Starke selbstbewusste (Frauen) Menschen braucht das Land. http://frankkoebsch.wordpress.com/2012/11/03/starke-selbstbewusste-menschen-braucht-das-land/
    Beste Grüße
    Frank


    • Liebe Frank,

      vielen Dank für deinen Beitrag. Mir war es wichtig, eine Frage zu finden, zu der jeder ein Meinung hat und zu der nicht jeder die gleiche Meinung hat. :)
      Außerdem denek ich schon, dass es mitunter wichtig ist, sich nicht nur mit der eigenen, vorgefassten Meinung zu begnügen, sondern einen Blick über den Tellerrand und in die Forschung zu werfen.

      Beste Grüße Ute

  23. VauKa Says:

    Hallo Ute,

    ja natürlich ist dort ein Unterschied und der sollte nicht sein!
    Dieser Unterschied sollte keine Rolle spielen, das Werk entscheidet.

    Darum begrüße ich jede Ausschreibung die ERSTMAL die Werke sehen will und dann urteilt, ohne weitere Kenntnisse. Nur wo gibt es das?
    Ich habe so etwas noch nicht entdeckt, wobei ich nicht behaupten will dass es das nicht gibt.

    Wo ich auch immer sehr allergisch drauf – in unterschiedlichen Varianten- reagiere ist der Begriff der “Hausfrauenkunst”.
    Das wertet erstmal gewaltig ab. Klar ist nicht jede Hausfrau ne Künstlerin (wobei der “Titel” Künstler/in ja meiner Meinung nach nicht selbst vergeben werden kann sondern das Umfeld es tut) nur weil sie malt, aber fast jeder Papi der zu Hause bleibt ist automatisch ein Genie, wenn er dann neben der achso schweren Hausarbeit und Kindererziehung auch noch malt oder zeichnet.
    Auch hier zeigen sich schon die Unterschiede.
    Klar ist es einfacher für jemanden der keine materiellen Sorgen hat (egal welchen Geschlechts) sich seiner kreativen Auswüchse zu widmen als jemand der Vollzeit irgendwo versklavt ist.
    Ich muss mich an dieser Stelle auch outen dass ich diese Damen die nur malen weil sie sonst nichts mit sich anzufangen wissen verabscheue. Das klingt hart, aber malen nur als Zeitvertreib finde ich schrecklich, malen ist Leidenschaft!
    Wer das “nur so” betreibt sollte es einfach dazuschreiben, ist ja nicht schlimm.

    Ich habe von Andreas Mattern aus irgend einem Beitrag im Kopf dass er irgend so etwas äußerte wie er verstände nicht dass seine Kursteilnehmer sich aufregten wenn das Bild nix geworden sei, immerhin müssten sie ja nicht davon leben.
    Aber vielleicht wollen sie es?
    Dann frustriert es sehr.

    Ich arbeite 50-60 Stunden die Woche, auch körperlich hart,, und das mache ich weil ich von irgend etwas leben muss, so ist das halt in dieser Gesellschaft!
    Würde ich das nicht mehr müssen und sie würden meine Bilder kaufen würde ich manche Füße küssen!

    Ich sehe dort gewaltige Unterschiede, Männer sind erstmal einfach toll (glauben sie auch selbst egal wie scheußlich sie sind, ist wohl genetisch), Frauen muss man erst testen und sie müssen immer noch vielzu viel beweisen.
    Traurig.

    LG Verena.


    • Liebe Verena,

      danke auch dir für diesen umfassenden Beitrag. Du hast recht, das Wort “Hausfrauenkunst” ist eigentlcih ganz furchtbar, denn im Prinzip ist es ja nicht negativ, den Haushalt zu machen, viele Paare teilen sich mittlerweile diese Aufgaben, denn sie müssen ja getan werden, und die Männer, die eine “Hausfrau” haben, die ihnen diese Arbeit abnimmt, sollten ihr danken, dass sie ihnen den Freiraum zur Karriereentwicklung gibt. Leider bemerke ich auch bei mir manchmal die Verwendung dieses Begriffs – und das ist der Punkt, an dem die Beschäftigung mit dieser Fragestellung zur Beseitigung von Vorurteilen führen kann, von denen man eigentlich fest überzeugt ist, sie nicht zu haben.

      Und sicherlich ist es auch mit einem entsprechenden Hintergrund einfacher, in der Kunstszene Fuß zu fassen, als wenn man sich noch nebenbei um sein Überleben sorgen muss. Ich kenne auch Ärzte u.A., die durch ihren Beruf über mehr soziales und ökonomisches Kapital verfügen und einfacher mit riesigen Ateliers, viel Zeit und hochwertigem Material punkten können. Ich muss da genau abwägen…

      Dir wünsche ich noch weiterhin viel Erfolg bei deiner Leidenschaft (nicht ohne Grund steckt auch das Wort “Leiden” darin – ich weiß das auch…) aber natürlich möchte ich abschließend gerechterweise darauf Hinweisen, dass nicht alle Männer so sind und dass es eben auch Frauen gibt, die “einfach toll” sind… Gleichberechtigung auf beiden Seiten ;)

      Beste Grüße

  24. Maria Says:

    Liebe Ute, ich finde, Bewerbungen für Kunstpreise und Ausstellungen sollten geschlechts- und altersanonym erfolgen

    Viele Grüße Matuja


    • Liebe Maria,

      danke für deinen Beitrag. Es stimmt, das jungen Künstlern auch oft weniger “Klasse” zugestanden wird, obwohl man in anderen Bereichen, Sport oder Musik schon sehr jung ein “Genie” sein kann…

      Beste Grüße Ute


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