Eine neue Versuchung, eine neuer Gedanke und wie er sich wandeln wird…
September 25, 2012
Es ist ein unfassbar bildgewaltiges Werk, ein großes dunkles Gefäß, von innen mit Gold bemalt und aus jedem überlaufenden Wort triefen Inspirationen, rinnen die Seiten hinab, fließen in meinen lesenden Geist. All diese verschiedenen Gestalten, Ansichten, Mythen, Tiere, Bestien, Götter und Häretiker bahnen sich ihre Pfade in meine Erinnerung, vereinigen und vervielfältigen sich zu beinahe unglaublichen und atemstockenden Visionen kommender Werke.
Die Lektüre Flauberts “Versuchung des Heiligen Antonius” ist für mich in meiner derzeitigen von allerlei Banalitäten und weltlichen Zwängen geprägten Zeit und ohne die Möglichkeit, sich selbst Stunden oder Tage in eine eigene Welt zurückzuziehen (so würden die ausdruckstärksten Bilder entstehen) ein Segen, ein “literarisches Wunderwerk” – so nennt es Odilon Redon (franz. Symbolist und großes Vorbild meiner Kunst). Weiter schreibt er:
” ‘Ich bin schnell bezaubert wordenvon den Beschreibungen dieses Werkes, von der Platizität und der Farbe all dieser Auferstehungen einer Vergangenheit ‘ ” (zitiert nach Harter, Ursula: Odilon Redons Lithografien zu Tentatione de saint Antoine), nachdem er das Buch 1882 vom französischen Kunstkritiker Emile Hennequin erhalten hat.
Genau so fühle ich mich jetzt auch und ich brenne darauf, die Bilder, die vor meinem inneren Auge bereits erscheinen, sich ständig wandeln und verblassen, in feste Formen zu gießen, die Geister durch Farbe und Grund Materie werden zu lassen. Ich verfolge dabei mehrere Ansätze, denn in meinem Stipendiumsatelier liegt noch mein Bodenbild und wartet auf seine Vollendung – für die “Tentation” ist dort kein Platz. Überhaupt ist dieses Atelier nicht persönlich genug, um Geburtsstätte solch subjektiver Kunst zu sein. Aber diese Schrift ist gehaltvoll genug, um immer wieder neu erfunden zu werden, deshalb werde ich mich ihrer auf mehreren Wegen nähern. Zum einen, natürlich, über die Lithografie. Ich bewundere die Lithografieserien Redons zu der “Tentation” – ich werde es lieben, eigene zu entwickeln. Ich werde seine subjektiven Bilder in meine einfließen lassen und doch eine eigene Welt kreieren, denn trotz der vielen Gemeinsamkeiten arbeiten wir doch auch grundverschieden. Redon malte seine Lithografien mit Lithografiekreide auf Umdruckpapier. Diese Bilder wurde bei Gefallen auf den Stein gedruckt und von diesem Umdruck konnte dann (eine Seitenrichtige!) Auflage gedruckt werden. Seine imaginären Räume wurden ins Detail bewusst konstruiert. Ich dagegen zeichne direkt auf den Stein, ich nutze eher Tusche als Kreide und lasse sie über die Steinplatte laufen. Mit Pinsel und Kreide lenke ich den Verlauf der Farbe und setze Akzente, der imaginäre Raum jedoch bildet sich durch Flussrichtungen und mäendrierende Ablagerungen selbst. Jörg Eberhard schreibt dazu in seinem Katalogtext (erscheint im Dezember!):
“Man muss sehen, dass der gestische Zeichenvorgang eine andauernde Tendenz zur Formauflösung, zum Informel und zum Selbstausdruck der materiellen Eigenschaften des Zeichenmaterials hat, während die Figuren, welchen Inhalts sie auch sein mögen, als Form versuchen in sich geschlossene, einfache Formgebilde zu sein.
Ute Schätzmüller gelingt es, diese in die »Landschaften« einzuschmiegen und manchmal gleichsam wie »Samen« in den erdhaften und rauhen Texturen zu bergen.”
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o.t. (am grund) 2009 – Detail
Jetzt habe ich einmal mehr in einen ganz andere Richtung geschrieben, als anfangs gedacht. Das kommt davon, wenn den Gedanken freier Lauf gelassen wird. Ich werde gleich noch die Überschrift ändern und das, was ich eigentlich gedacht hatte zu schreiben auf den nächsten Tag verschieben. Es sind die anderen beiden Wege auf die ich die “Versuchung” versuchen möchte, ein Projekt mit Susanne Haun und natürlich die Malerei – auf welche Art und Weise, das berichte ich morgen. Obwohl sich auch diese Pläne sicherlich, wie alles im Leben und in der “Versuchung des Heiligen Antonius”, wieder ständig wandeln werden.







September 26, 2012 at 5:19 am
Liebe Ute, ein schöner Auftakt für unser Projekt. Gestern habe ich deinen Satz bekommen und lasse ihn durch meinen Kopf kreisen. Ich freue mich schon auf den Begin …
Meine Bücher sind auch angekommen….
Liebe Grüße sendet dir Susanne
September 26, 2012 at 6:47 am
Ich bin sehr gespannt, wie du den Satz umsetzen wirst!
Hast du eigentlich alle Bücher von Flaubert oder hast du verschiedene Bücher zu dem Antoniusthema bestellt?
Ich finde die Übersetzunge, die ich habe sprachlich nicht so schön, wie die Titel die ich von Redon kenne, daher werde ich mir wohl noch eine andere Übersetzung zulegen…
Liebe Grüße Ute
September 26, 2012 at 7:00 am
Ich habe drei verschiedebe Übersetzungen vom Antonius, darunter ein antiquarisches Buch mit 14 Holzschnitten … mehr in meinem Blog … aber noch nicht heute …. eher morgen denke ich ….oder Übermorgen….
September 26, 2012 at 7:19 am
das klingt sehr faszinierend. das buch und eure umsetzung des inhalts.
September 26, 2012 at 7:20 am
Danke, dabei haben wir ja bisher noch gar nichts umgesetzt… und ein wenig fürchte ich mich auch, ob es so gelingt, wie ich es wünsche…
September 26, 2012 at 7:52 am
Das wird bestimmt genau so, wie du es dir vorstellst, Ute, vielleicht nicht beim ersten Bild aber beim zweiten, dritten usw….
September 26, 2012 at 8:11 am
oder beim zwanzigsten, dreißigsten,…
Danke für die aufbeuenden Worte. Eigentlich wird es nie so, wie ich es mir vorstelle, aber irgendwann wird es so, dass ich es gelungen finde.
Wichtig ist glaube ich, dass ich kontinuierlich daran arbeiten kann, daher werde ich mir irgendeine Möglichkeit hier zuhause suchen müssen, um nicht auf die Wochenenden im Atelier angewiesen zu sein, die ja ab Dez. eh vorbei sind. Dann werde ich auch wieder mehr Zeit für dieses Projekt haben!
Lg Ute
September 26, 2012 at 12:11 pm
Ja, wenn wir bei dem A5 Silberburg bleigen, findest du bestimmt ein kleines Eckchen zuhause!
Ich denke auch, Kontinuität ist wichtig und nicht locker lassen!
September 26, 2012 at 3:10 pm
Liebe Susanne, für unser Projekt habe ich mir da keine Sorgen gemacht, aber ich möchte mich eben auch in der Malerei weiterentwickeln, und da habe ich derzeit das Gefühl, mit dem was ich tatsächlich tun kann weit hinter dem, was ich eigentlich vom Kopf her tun könnte zu leisten… So viele Bilder, die auftauchen, und da ich sie nicht sofort festhalten kann wieder verblassen und irgenwann verschwunden sind…
Lg ute
September 26, 2012 at 3:26 pm
Da braucht man viel Platz, auch bei der Größe, in der du arbeitest. Conny Niehoff hat eine alte Kaufhalle gemietet. Da kann sie prima malen aber es ist im Winter ungeheizt. Ich rolle ja immer alles und wenn ich mal male, dann auf Leinwand ohne Keilrahmen.
September 26, 2012 at 3:44 pm
Ja, meine großen Bilder sind auch immer gerollt und werden auch unaufgespannt einfach an die Wände genagelt…bisher habe ich dass auf unserem Dachboden gut machen können, aber die neue Wohnung hat keinen benutzbaren Boden also muss früher oder später ein Atelier her…
September 26, 2012 at 3:52 pm
Es ist auch toll, wenn man ein Atelier hat, es ist ein Ort, wo man ungestört denken und arbeiten und präsentieren kann…
September 26, 2012 at 3:55 pm
Ja, dass glaube ich dir! Und wenn es das eigene ist, dann ist es einem auch vertraut genug um intensiv und wirklich subjektiv zu arbeiten!
September 27, 2012 at 4:01 pm
[...] Ute Schätzmüller hat den Antonius zu mir gebracht. [...]